Mittwoch, 24. September 2014

Different language, different me?

Liebes Toast, Liebe Koneko,

Ich hatte heute lange Uni bis um 18Uhr und ich musste unglücklicherweise feststellen, dass fast jeder Dozent eine Online-Plattform benutzt. Aber um Zugang als Erasmus-Student zu einer solchen Plattform zu kriegen, muss man einen Termin beim Büro für Asuntos Internationales der Uni ausmachen und siehe da: sie sind bis zum 9. Oktober ausgebucht. Und meine Dozenten erwarten aber, dass ich Texte aus der Online-Plattform herunterlade, ausdrucke und übersetze. Bis zu diesem Termin kriege ich aber auch keinen inoffiziellen Gastzugang oder sowas ähnliches. Ich bin also leicht aufgeschmissen. Wie gesagt die Organisation an spanischen Unis lässt etwas zu wünschen übrig... Ich habe meinen Dozenten dies mitgeteilt und sie gefragt ob es möglich sei, dass sie mir die Texte in der Zeit bis zum 9.Oktober per Email zukommen lassen. Aber das ist natürlich eine völlige Schnapsidee. Wie kann ich es wagen so etwas vorzuschlagen? Das würde ja mehr Arbeit bedeuten. Jetzt soll ich stattdessen zu irgendwelchen Mitstudierenden gehen und sie um ihre Zugangsdaten anbetteln (was natürlich kaum einer tun wird, wenn sie mich nicht kennen) oder sie fragen, ob sie mir die Datei per Email schicken können (eine eher wahrscheinlichere Lösung, aber trotzdem umständlich, weil nicht nur ich als Einzige dieses Problem habe, sondern fast alle Erasmus-Studenten und jetzt muss sich jeder von ihnen einen E-mail Partner suchen.)

Ich habe mir übrigens eine Strategie überlegt mich ein wenig an die Spanier anzunähern. Da die Spanier oft lieber unter sich bleiben, weil natürliche viele Erasmus-Leute (wie ich) die Sprache nicht so gut beherrschen wie ein Muttersprachler. Deswegen habe ich mir gedacht, vielleicht kann ich sie auf andere Weise davon überzeugen, dass man zumindest sympathisch wirkt.


Und da spielt das Aussehen nun mal eine gewisse Rolle: Der erste Schritt ist schließlich der erste Eindruck und der geht Hand in Hand mit dem äußeren Erscheinungsbild. Die typischen Spanierinnen haben irgendwie alle ähnliche Frisuren (meist Haare aus dem Nacken - angemessen für das spanische Klima), gleiche Klamotten(weil sie irgendwie alle bei Stradivarius oder bei Zara kaufen) und bestimmte typisch spanische Gesten.

Wenn ich mich also dezent anpasse (nicht imitiere, aber vielleicht mehr Acht darauf gebe, was angemessen ist), wird es mir also vielleicht leichter fallen, mich den Spaniern anzunähern (so zumindest die Theorie).

Aber keine Sorge, ich bin immer noch ich.


Allerdings habe ich eh das Gefühl, dass, sobald ich die Sprache wechsele, ich ein völlig anderer Mensch bin. (Habt ihr das auch?) Zum Beispiel wurde mir gesagt, dass ich bei Französisch ein wenig höher spreche und auch viel zarter, als hätte ich Angst die Worte würden zerbrechen. Im Deutschen klinge ich sehr gelassen, aber keineswegs, wie gedacht, hart oder aggressiv. (Aber es ist auch meine Muttersprache also kein Wunder, Deutsch strengt mich ja auch keineswegs an.)

Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass Deutsch  mir eine geistige Überlegenheit verschafft, weil man im Deutschen alles in seine Einzelteile zerlegen kann und darüber philosophieren kann.
Während lateinische Sprachen melodisch klingen und mir das Gefühl von gesprochener Schönheit geben. Klingt sicher albern nicht?  Französisch verwandelt alles in ein Liebesgesäusel, während im Spanischen alles heiß und voller Leidenschaft ist. Englisch ist die Sprache, in der man einfachsten Freunde findet.

Aber wenn das Französische mir eine zarte Elfenstimme verleiht, ist dann auch der Rest meines Ichs anders? Handele oder denke ich anders? Geht man zärtlicher miteinander um, wenn man lateinische Sprachen spricht? Die Irin und ich fühlen uns immer noch sehr unwohl mit dem Küsschen links, Küsschen rechts. Die Franzosen und Spanier sind das gewohnt und nehmen es gar nicht mehr wahr. Gibt es also eine Identität, die durch Sprache vermittelt wird? Ist also nicht das Geographische und die Lebensumstände ausschlaggebend für die Identität, sondern die Sprache, mit der man versucht seine Welt auszudrücken?

Und falls ja, ist es dann nicht an der Zeit auch meinem spanischsprechenden Ich eine neue Identität zu geben? Es heißt doch immer, eine Sprache lernt sich nur gut, wenn man sie auch lebt. Also werde ich versuchen Spanisch zu leben.

Vielleicht ist mein spanisches Ich ja sportlich oder - ich wage es kaum auszusprechen - ordentlich!!!

Habt ihr manchmal das Gefühl anders zu sein, wenn ihr Englisch sprecht?

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