Samstag, 13. September 2014

Thiefs, Tapas & Marriage

Liebes Toast,


Okay also erstmal ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Tag: Ich bin noch feiern gewesen mit der Erasmus-Truppe. Wir waren in einem Klub, von dem man aus die beleuchtete Alhambra bei Nacht sehen konnte. Es gab noch mehr Sangria und seltsame Honigshots (die leicht runter gehen, aber auch ebenso stark reinhauen). Wir haben bis ca. 5 Uhr früh gefeiert und es war wirklich der Hammer! So viele nette Leute, alle darauf aus andere Leute kennenzulernen und Spaß zu haben. Das ist einfach eine richtig gute Atmosphäre und vor allem mit dem angenehm milden Klima Spaniens dazu - selbst bei Nacht. Es fühlt sich nicht an wie Erasmus-Semester, sondern wie Urlaub. 



Als wir (eine Irin, ein Brite, ein Franzose und ich) langsam nach einer etwas zu hart gefeierten Nacht den Heimweg antraten, saß da ein Mädchen der Erasmus-Truppe weinend am Wegrand. Wir gingen sofort zu ihr und fragten was los sei. Sie war aus Dänemark und erklärte ihr wurde im Klub alles geklaut: Schlüssel, Handy, Geld (grob 100€) und nun könne sie weder nach Hause, noch ihre Mitbewohnerin oder die Polizei anrufen oder ein Taxi bis nach Hause nehmen. Die Irin und ich sprachen ihr sofort liebevoll zu, dass sie von unserem Handy aus anrufen könne, wen sie wolle und dass wir den Erasmus-Koordinatoren Bescheid sagen würden. Wir überredeten sie zurück zum Klub zu gehen und begleiteten sie den gesamten Weg, versuchten ihr Mut zuzusprechen, dass sich ihre Schlüssel vielleicht wiederfinden, da kaum ein Dieb Verwendung dafür hat, wenn er nicht weiß, zu welchem Schloss der Schlüssel gehört und sie vielleicht in die nächstgelegene Mülltonne schmeißt. Wir erklärten ihr, dass sie Schlüssel leicht nachgemacht werden können und dass das die geringste ihrer Sorgen seien sollte. Wir erklärten ihr, was für ein Glück es sei, dass alle ihre Kreditkarten etc. noch da waren und „nur“ das Bargeld gestohlen wurde und nicht auch noch ihre Identität. Allerdings war das Handy natürlich schon ein herber Verlust... Aber wie sich herausstellte, war die Situation doch nicht so aussichtslos, denn ihre Mitbewohnerin hatte ihr Handy eingesteckt. (Wir kamen wir genau in dem Moment am Klub an, als ihre Mitbewohnerin gerade herauskam.) Das Mädchen war uns so unendlich dankbar, sie wiederholte immer wieder: „Ich würde euch so gerne einen Drink ausgeben, ihr habt mir so geholfen! Ihr wisst ja gar nicht wie viele Personen einfach vorbei gelaufen sind!“ Einer ihrer Freunde kam an und erklärte auch seine Dankbarkeit, dass wir sie aufgelesen hatten. Ich finde es traurig, dass anderen zu helfen nicht selbstverständlich ist... Allerdings war dieser Kumpel sehr betrunken und erklärte dann, er habe versucht Alkohol aus dem Klub zu stehlen, weil er sich für das gestohlene Geld rächen wollte. In seiner Besoffenen-Logik hat das sicher Sinn gemacht, aber mal ehrlich: Seit wann gleicht eine weitere böse Tat eine andere aus? Und was kann denn bitte der Klub dafür, dass das Mädchen bestohlen wurde? Es ist ja nicht so als hätte sich der Barkeeper an ihrer Tasche vergriffen!



Nach einer so heiklen Nacht bzw. diesen sehr frühen Morgenstunden bin ich wie tot ins Bett gefallen. Ein paar gute Stunden Schlaf später bin ich mit einer Slowenin Tickets für einen Tag am Strand in Marbella kaufen gegangen, der morgen stattfindet. Danach sind wir zusammen in die Gärten um die Alhambra gegangen. Für die Alhambra selbst braucht man extra Eintrittskarten und Reservierungen für einen bestimmten Termin, aber die Gärten stehen jedem offen. Dort sind wir eine Weile herumgelaufen und haben die Sonne genossen. Viele Hochzeitspaare kommen extra zur Alhambra, die auf einen Hügel weit oben über der Stadt Granada thront, gepilgert, nur um Hochzeitsfotos machen zu lassen. Besonders gefreut hat mich, dass nicht nur heterosexuelle Pärchen dieser Tradition folgen, sondern auch homosexuelle Paare. Granada scheint mir eine sehr homosexuellen freundliche Gegend. Aber im allgemeinen sind die Spanier sehr offen und herzlich, was irgendwie auch ein wenig seltsam ist, schließlich sind sie trotzdem sehr katholisch... Aber ich finde, das ist genau das, was das Christentum immer predigt: Nächstenliebe. Gleichheit vor Gott. 



Genug vom Philosophischen. Danach ging es nach Hause und ich konnte mit Freuden feststellen, dass ich endlich eine Mitbewohnerin habe! Sie ist Belgierin und sehr nett, quirlig wie ich, aber ich denke wir werden uns richtig gut verstehen! (Übrigens hat sich das Rätsel um meine Geist-Mitbewohnerin endlich aufgelöst: Sie ist wohl eine Koreanerin, die für ein paar Tage nach Paris gefahren ist. Zu Uni-Beginn wird sie aber wohl zurück sein.) Ich war den ganzen Tag herumgetigert und sie war gerade erst angekommen, also haben wir uns zwar unterhalten, aber im Grunde nichts mehr Großes außerhalb der Wohnung gemacht. Sie und ihr Vater haben ihren Kram ins Zimmer getragen und sie hat sich eingerichtet, während ich auf der Couch ein paar spanische Serien geschaut habe. Es geht doch nichts über eine spanische Soap zum Einschlafen!


Nach diesem perfekt geplanten Power-Nap bin ich dann am Abend noch ausgegangen mit den Erasmus-Leuten. Es war einfach eine chillige Runde in einer Bar, wo du 2 Euro fürs Getränk zahlst und einen riesigen Teller Tapas dazu kriegst. Das ist als würde man ins Restaurant gehen, aber nur das Getränk bezahlen! Dieses Konzept ist echt genial! Vergesst eure 30€ teuren Tapas-Restaurants! Granada ist wirklich ein genialer Ort für ein Erasmus-Semester. Ich hatte zwar bisher keine Uni und ich bin auch erst seit Mittwoch hier, aber bisher habe ich mich noch kaum so fehl am Platz gefühlt, dass ich mich wirklich absolut nach Hause gesehnt hätte.

Ich vermisse schon meine Freunde, aber wenn man den Tag über gut beschäftigt ist, fällt einem alles viel leichter. Morgen geht’s ziemlich früh mit dem Reisebus nach Marbella. Ich freue mich schon sehr auf Strand, Meer und mehr!

Kommentare:

  1. Klingt, als hättest du dich so langsam eingelebt! Das mit dem Club ist schon krass, ich glaube ich wäre auch völlig verzweifelt. Und ich muss gestehen, ich hatte die Alhambra nicht bei dir in die Nähe verortet.. Aber yay! :D Gratisfutter zu Getränken? Was tue ich dann hier, hier ist alles richtig teuer xD

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    1. hahaha :D nun eingelebt kann man so noch nich sagen, es hat bisher ja noch keine Uni begonnen, aber ja das Leben hier (bzw. das Touristen-Dasein) ist sehr angenehm :)
      oh weh! Dann sei besser besonders sparsam! Es gibt sicher ein paar gute Studententips, um Geld zu sparen oder sowas.

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