Donnerstag, 2. Oktober 2014

Apocalypse

Liebe Musketiere,

Mein Tag fing schleppend an, ich hatte Uni und ich habe das Gefühl, ich werde langsam besser darin, Freunde zu finden. Es ist wirklich seltsam... Zunächst hatte ich nur eine Tandempartnerin, aber dann schrieb mich ein Typ bei Facebook an, ob ich ihm helfen kann, dann fragten mich zwei weitere Spanierinnen, die ich aus meinem Kurs kenne und seit heute Abend habe ich einen weiteren spanischen Schützling. Und alle wollen Deutsch lernen, weil sie glauben Deutschland sei das Wirtschaftsparadies...

Ich hoffe bloß, sie irren sich da mal nicht...

Zu Mittag bin ich Churros essen gegangen mit ein paar Freunden, der Himmel war strahlend blau und es war angenehm warm (ca. 25-30 °C), wir haben uns super unterhalten und alles war einfach ganz locker.

Dann hatte ich weitere Kurse und schließlich kam ich endlich (gegen 18Uhr) als freie Frau aus einem entsetzlich stickigem Unterrichtsraum heraus. Es nieselte ein wenig, aber der Himmel war immer noch recht blau. Ich machte mir keine großen Gedanken darum, denn es nieselt - wie bereits schon mal erwähnt - öfter mal für ca. 5 Minuten und hörte dann auch wieder auf.

Doch der Regen wurde stärker. Auch das hatte ich schonmal erlebt, auch keine wirkliche Überraschung. Ich lief ein wenig zügiger, um nicht klatschnass nach Hause zurück zu kehren.



Doch urplötzlich verdunkelte sich der Himmel. Er ging von Regengrau zu Gewitterdunkelgrau bis hin zu Apokalypseschwarz.
Es fing an, in Strömen zu regnen, zu hageln, zu blitzen und zu donnern. Es war als hätte sich das Wetter plötzlich gegen dich verschworen. Der Wind wurde heftig und fegte sowohl das Wasser als auch die Hagelkörner über die Straßen. Es war plötzlich wirklich schwierig voran zu kommen. Granada versank regelrecht im Chaos! Die Hagelkörner waren teilweise daumengroß! Der Donner dröhnte über der Stadt und die Wassermassen sammelten sich in den Straßen.



Ich arbeitete mich mittlerweile nur noch von Regen geschützter Nische zur nächsten Ladenmarkise, stellte mich unter, wartete ein wenig und arbeitete mich weiter vor. Aber es gab kein Entkommen. Ich dachte, es würde bald aufhören und wartete für ca. 15 Minuten an einer Stelle, aber der Sturm kam und kam nicht zur Ruhe und ich wollte nicht auf ewig angewurzelt irgendwo herumstehen, also entschloss ich mich die Beine in die Hand zu nehmen und das letzte Stück nach Hause einfach zu sprinten.

...

Ja... nicht mein schlauester Einfall...

Ich kam klitschnass zuhause an. (Ballerinas sind keine guten Schuhe für einen solchen Sturm). Ich zog die nassen Klamotten aus, mummelte mich in meine Decke ein und machte mir einen Tee. Aber wisst ihr, wie schön es ist, wenn man dann eine Nachricht kriegt, in der jemand fragt, ob du heile nach Hause gekommen bist? Da zeigt sich, dass die Freundschaften hier nicht ganz so oberflächlich sind, wie sie dir manchmal vorkommen.

Ich bin wirklich gespannt, was als nächstes kommt. Granada überrascht einen immer wieder.

Kommentare:

  1. YAY, Abenteuer!
    Ich bin glaub ich etwas undankbar, weil es mich fast schon nervt, wenn alle sagen "Schreib mir, wenn du heil nach Hause gekommen bist", aber keiner sich opfert, den Umweg in Kauf zu nehmen und wenigstens einen Teil der Strecke mit mir zu gehen... (Und die, die es doch anbieten, wohnen so weit weg, dass ich das auch nicht ohne schlechtes Gewissen zulassen kann).
    Aber cool, dass du so gut ankommst! Ich hab heut auch zaghafte Versuche gemacht, mich mit Mitstudenten anzufreunden, aber das war eher minder erfolgreich glaube ich...
    Bleib trocken und vor allem gesund und happy ♥

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    1. Die Nachricht, ob ich heile nach Hause gekommen bin, kam von Freunden, von denen ich mich verabschiedet hatte, als noch gutes Wetter war. Es war nicht dieses Schreib-mir-wenn-du-zuhause-bist. Sondern es ging von ihnen aus und einzig und allein, weil sie sich bei dem Unwetter Sorgen gemacht hatten, weil sie wussten, dass ich einen etwas längeren Weg nach Hause hatte.
      Ich kA., aber meine Deutschkenntnisse kommen gut an hahaha :D:D
      Das wird schon noch, glaube mir, ich bin auch immer mega zaghaft, man weiß ja auch nich was man sagen soll und man will sich ja auch nicht einfach zu iwem dazustellen. Alles nachvollziehbare Gedanken, aber das wird! Man darf einfach nicht aufgeben und sich auf die Leute konzentrieren, bei denen du direkt ein gutes Gefühl hattest. Intuition hat sich bei mir bisher immer als guter Wegweiser erwiesen.

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