Samstag, 11. Oktober 2014

Feria de Jaén

Liebe Musketiere,

 ( Sorry mal wieder für einen viel zu späten Eintrag! )
Mein Tag begann ziemlich fleißig muss ich sagen: Ich war joggen, wieder zum Wasserfall aus Post Sports & Tomatoes. Aber diesmal nicht nur mit meinem mexikanischen Doppelgänger, sondern auch mitder Irin Lydia. Man pusht sich gegenseitig ganz schön, aber was einem eigentlich den absoluten Todesstoß gibt, ist in jedem Fall die Hitze, denn sie Sonne prallt ganz schön... Selbst früh morgens...

Danach habe ich fleißiges Bienchen Uni-Kram gemacht: Übersetzungen etc. Weil für den Abend ein ganz besonderes Erlebnis geplant war:

La Feria de Jaén

Feria de Jaén ist im Grunde eine Kirmes (für alle nicht aus meiner Region: Jahrmarkt), aber wie jedes Mal, wenn die Spanier feiern, wird alles größer und ausgelassener und krasser. Exzess pur.
Die Spanier nehmen sich Getränke mit zur Feria de Jaén, machen Botellón in den Straßen von Jaén und gehen dann zur Feria. Wir Erasmus-Studenten hingegen fuhren mit dem Bus gegen 19 Uhr hin und der Bus würde uns um 5Uhr wieder abholen und heim nach Granada fahren. 
Ich bin mit Mahé und Thomas hingefahren, aber schon bei der Hinfahrt gab es ein paar kleine Holpersteine auf dem Weg: Thomas musste alleine im zweiten Bus sitzen. Das tat mir irgendwie leid, weil er umgeben von Italienern war, die sich nur in ihrer Muttersprache unterhielten. Aber immerhin dauerte die Busfahrt nicht gar so lange wie die nach Marbella (ca. 2h), während nach Jaén nur eine bis eineinhalb Stunden draufgingen. Dort angekommen stellte man die große Gruppe vor die Wahl: 
Wollt ihr hoch zum Castello (Ein Schloss oben auf dem Berg + Krasser Ausblick auf die Stadt) oder direkt zur Feria (einfach im Zentrum der Stadt)?


Da wir Zeit hatten bis 5Uhr entschlossen Thomas, Mahé und ich zuerst dazu den Aufstieg zum Schloss zu wagen. Wir hatten ja keine Ahnung, was vor uns lag... 

 
Es war eine Tour über endlose Treppen oder lange dünne ansteigende Gassen, durch pechschwarze Waldpassagen, steile Anstiege über Feldwege und Kletteraktionen über kleine Felsabschnitte bis hin zur ultimativen Prüfung: dem Überwinden einer Steinmauer. Wir waren halb tot als wir am Castello ankamen... Aber immerhin kamen wir an... Die Überwindung der Mauer ließ viele leicht verzweifeln...Einige Steine der Mauer bröckelten und rollten runter... Ich habe mir definitiv auch irgendwas gezerrt, als ich mich über die Mauer hievte, aber es ist wieder gut, keine Sorge. Man sagte uns auf dem Hinweg, dies sei die beste Abkürzung. Wir waren ein wenig fassungslos. Definitiv eine Schwachsinnsabkürzung. Manche hätten sich ernsthaft verletzen können!!

Das Castello war ganz hübsch anzusehen, aber war den krassen Anstieg meiner Meinung nicht ganz wert... Am Aussichtspunkt war ein riesiges beleuchtetes Kreuz noch ein Stück weiter oben auf dem Berger und der Wind bließ so stark, dass die Haare in alle Richtungen abstanden. Ich hatte echt krasse Angst, dass mir meine Wertsachen gleich vom Wind weggerissen werden...


Beim Abstieg entschieden wir uns für den sicheren, aber längeren Weg. Ich fand, dass wir nicht viel langsamer waren, als dass sich die Abkürzung wirklich gelohnt hätte. Aber ich kann zumindest sagen, dass meine Beine nun voll trainiert sind und ich mir das fettige Kirmesessen wirklich verdient hatte.

Als wir wieder in der Stadt am Ausgangspunkt ankamen, geschah etwas so merkwürdiges. Wir sahen zum Himmel rauf und irgendwas fiel vom Himmel, aber es fiel so langsam. Es war ein Moment wie in Zeitlupe. Dann prasselte es auf uns nieder. Es war wirklich so ungewöhnlich. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich zuerst den Regen sah und dann erst spürte. 

Aber der Regen hörte schnell wieder auf. Wir machten uns auf zur Feria de Jaén. 

Thanks for the Fun Day, my friends!
Wir liefen über die Kirmes, schauten uns die vielen Stände an. Ich probierte das typisch spanische Jahrmarktsessen: patata asada. Es ist im Grunde eine riiiiesige Kartoffel, im Steinofen gegart und dann mit allerlei Köstlichkeiten belegt. Ich entschied mich für Patata Jamón (mit Schinken) und Thomas nahm Patata Atún (mit Thunfisch). Es war echt lecker und fühlte sich definitiv gesünder an, als unser Kirmesspeisen, wie Backfisch oder Fritten oder alles andere was fritiert wird.

Patata Asada

Danach sahen wir uns weiter auf der Feria um und entdeckten viele Attraktionen und sogar Stände in Form von Diskotheken, zu denen wir definitiv gehen wollten. Aber der Regen brach erneut los. Wir suchten Schutz im nächstbesten Stand, aber diesmal war es wirklich ein Unwetter: Es blitzt und donnerte, es regnete in Strömen und der Wind drohte einige nicht ganz so gut abgesicherte Stände wie den unseren weg zu wehen. 

Wir waren in einem Stand untergekommen, in dem Flamenco Musik spielte und die Menschen ausgelassen tanzten oder ein paar Getränke und die Musik an ihren süßen bemalten Holztischchen genossen. Also gesellten wir uns einfach dazu. Wir tranken ein wenig Sangria und quatschten bis der Regen nachließ. 


Danach gingen wir wirklich feiern. Es war so seltsam: Von außen sahen sie richtig gammelig aus, wie ganz normale Jahrmarktzelte, aber drinnen sah es aus wie eine echte Diskothek! Und wenn uns die Musik nicht gefiel oder gerade ein dummes Lied gespielt wurde, konnten wir einfach ein Zelt weiter gehen und da spielten sie ganz andere Musikrichtungen. Und so hobsten wir von Zelt zu Zelt und siehe da: Sie spielen unser Lied! Schon wieder! Und nochmal?! So ein Zufall! (haha)
Beim Verlassen von einem Zelt schlängelte ich mich so durch die Menge und irgendein Typ küsste mich aufs Haar. Leicht ekelig. Aber meine Begleiter straften ihn beide mit einem bitterbösen Blick ab. Ich fand es so süß, wie Thomas meinte: "Ich lasse doch nicht zu, dass jemand meine Mädchen anfasst!" Mein Ritter in strahlender Rüstung (haha). Später fügte er hinzu: "Es sei denn, sie wollen es so."
Es war wirklich ein lustiger Abend, aber leider muss ich sagen, dass man ein wenig genervt war, dass man so an die Zeit gebunden war. Einerseits hatte man Angst, die Zeit nicht ausfüllen zu können und andererseits war es, als müsste man genau dann gehen, wenn der Spaß am größten war. 

Um ca. 6.30 Uhr waren wir wieder in Granada. Totmüde. Deswegen kommt der Eintrag auch mal wieder viel zu spät. Tut mir leid... 

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