Donnerstag, 9. Oktober 2014

Learning by Doing

Liebe Musketiere,

Wie ihr vielleicht aus meinem letzten Post noch wisst, war ich leicht spät noch feiern und musste dann für einen 9Uhr Kurs aufstehen. Ziemlich unmöglich, wenn ihr mich fragt... Ich habe ziemlich verschlafen (8:45 aufgewacht, 8:55 angezogen und Zähne geputzt aus der Tür raus) und rannte mal wieder gehetzt durch die Straßen. Und ich kann euch sagen. Es ist ein übelst seltsames Gefühl, wenn du die einzige Person bist, die rennt. Ich habe noch nie einen Spanier rennen sehen! Sie tun es einfach nicht. Hetzen ist einfach nicht spanisch. In Spanischen Liebeskomödien rennt bestimmt auch keiner dem Anderen nach. (Ich bin übrigens rechtzeitig angekommen einen Weg von ca. 15 Minuten in 5 Minuten geschafft...)

In einer Übersetzungsübung kam das gleiche nochmal auf: Wir sollten das Wort "hektisch" übersetzen, aber die Spanier tauschten verständnislose Blicke miteinander aus und meinten dann "nervioso?". Sie haben zwar auch "héctico" und sie kannten auch das Wort aber ich hatte das Gefühl, dass noch keiner dieses Wort je benutzt hat.

Mein Unitag war lang und anstrengend, aber er sollte noch nicht enden, denn ich traf mich noch mit meiner zweiten Tandempartnerin zum Spanisch-Deutsch-Austausch. Sie heißt Celia und brachte zwei Kumpels mit, die auch beide deutsch lernen wollten. Wir gingen Kaffee trinken und unterhielten uns mit einer Mischung aus Deutsch und Spanisch über Gott und die Welt, es war gechillt und ich freute mich, weil es so schien, als seien dies die ersten echten spanischen Freundschaften, die nicht so schrecklich oberflächlich sind.
Unerwartet fragten sie mich, ob ich heute abend auch noch was trinken gehen wollte. Sie schienen sehr angetan von mir.
Aber ich war eigentlich absolut tot müde. Ich hatte kaum geschlafen, ich hatte Uni bis 18Uhr und mein Kopf pochte wie immer, wenn ich den ganzen Tag angestrengt und aufmerksam zugehört und mitgedacht, sowie mich auf spanisch unterhalten habe. Trotzdem sagte ich zu. Irgendwas sagte mir, dies sei eine kluge Entscheidung.

Und so war es dann auch:
Erstmal waren wir eine etwas größere Gruppe von Spaniern und sie zeigten mir ein paar Bars, die doch recht alternativ waren, würde ich sagen, also genau meine Musik (wobei auch Rammstein lief und ich damit nichts anfangen konnte, aber scheinbar waren die anderen Spanier begeistert mitsangen und mich ganz verdutzt ansahen, als ich sagte, dass das nicht so meins ist.). Nach kurzer Zeit wechselten wir die Bar und gingen aber nur ca. zwei Meter weiter in die nächstgelegene Kneipe.Scheinbar ist es üblich in Spanien, ständig die Location zu wechseln...Etwas seltsam, aber naja.. ich muss eben noch viel lernen! Wir spielten Billiard und Kicker (im Kicker habe ich die Spanier besiegt, aber im Billiard war ich so schlecht wie nie! Schade, aber es war ok.Wusstet ihr, dass die Kicker-Aufstellung der Spieler eine andere Ist, als die der deutschen Kicker? Ob das wohl mit der jeweiligen Nationalelf zutun hat?)

Pedro, einer der beiden Typen, mit denen wir zu Anfang Kaffee trinken waren, brachte ein Mädchen mit, die kein Deutsch verstand, und ich fragte, ob sie seine feste Freundin sei. Die beiden sahen sich an und schüttelten beide den Kopf, aber Pedro grinste mich an und sagte "Noch nicht" auf deutsch. Alle mussten lachen, nur das Mädchen schien nicht zu wissen, worum es geht. Es wurde an dem Abend noch viel gelacht. Sie brachten mir Schwachsinn wie "follar" (ficken) bei und ich brachte ihnen im Grunde das gleiche auf Deutsch bei. Aber wir redeten einfach und lachten sehr viel. Manche Witze verstand ich nicht und sie mussten mir einiges erklären, aber das war okay. Einfach lernen auf Entspannende Art und Weise.
Celia, Diego und Pedro waren sehr geduldig mit mir und ich denke sie fanden mich eigentlich ziemlich sympathisch. Pedros Begleitung hingegen schien weniger angetan von mir. Sie schien durchweg genervt vom deutsch reden und fragte ständig nach Raucherpausen, weil sie wusste, ich würde nicht nach draußen folgen. Aber das machte mir nicht viel, denn wir hatten trotzdem unsern Spaß und zusammen blieben wir auf bis 5 Uhr früh. (Deswegen kommt der Posteintrag auch eigentlich etwas zu spät, aber ich konnte mich nicht dazu aufraffen um diese Uhrzeit zu schreiben.)
Celia und ich gingen zusammen in die gleiche Richtung heim. Beim Verabschieden sagte sie mir, dass mich alle wirklich super nett fanden und dass wir sicherlich öfter nochmal was zusammen machen würden. Es freute mich sehr und Zum Abschied gab es eine Umarmung, im Gegensatz zu den oberflächlichen Küsschen.

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