Samstag, 18. Oktober 2014

Weird, rude...But you don't mind, right?

Liebe Musketiere,

Ich habe bis 13Uhr geschlafen, habe einen Putzplan für die WG erstellt und dann meinen Teil des Putzplanes erledigt. Ich habe übersetzt und dann Serien geschaut.

Gegen Nachmittag schrieb mir das bayrische Mädchen, ob wir was zusammen machen wollen... Sie ist immer besonders auf mich fixiert. Sie denkt, glaube ich, dass ich ihre beste Freundin bin. Sie labert mich stets zu, aber immer nur von ihrem mehr oder weniger Ex, mit dem sie was hatte, aber der sie danach wohl nicht mehr wollte oder keine Ahnung...
Die Woche über habe ich es erfolgreich geschafft, ihr zu entrinnen, aber diesmal konnte ich nicht schon wieder absagen. Außerdem haben wir so viele Kurse zusammen, dass ich denke, vielleicht ist es ganz gut, sie als Freundin zu haben. Sie ist zwar nervig, aber wie schlimm kann es schon werden. Außerdem will ich keine dieser Personen sein, die vorne herum nett ist, aber dann mega hinterfotzig ablästert und leider tue ich das auf diesem Blog leider viel zu häufig... Abgesehen davon scheint sie mir ein Mädchen, dass ganz dringend jemanden braucht, mit dem sie reden kann.
Also sagte ich zu. Wir wollten zusammen einen Film schauen und ich dachte mir, das sei perfekt: So müssen wir wenig reden, denn wir haben eh wenig gemeinsam, es ist zeitlich begrenzt, sobald der Film um ist, kann ich die Düse machen und es ist etwas soziales, sodass wir uns vielleicht ein wenig annähern können und vielleicht doch noch die Basis für eine Freundschaft finden können.

Ich ging zu ihr und sie sagte, sie müsse nur kurz noch eine Wäsche aufhängen, die gerade fertig geworden war. Ich sagte, dass das doch kein Problem sei. Sie hängte also ihre Wäsche auf dem Wäscheständer auf, aber es war mehr Wäsche als Platz auf dem Ständer und so schlug ich ihr vor, ein paar Sachen über die Stühle oder über die Kommode zu legen. Von der Idee war sie begeistert, aber meinte, sie wolle nur kurz einmal drüber wischen, damit ihre frisch gewaschene Wäsche nicht direkt wieder durch den Staub schmutzig wird. Klang verständlich, ich nickte und sie holte einen Lappen. Aber nicht nur wischte sie über die Möbel, über die sie ihre Wäsche hang, sondern plötzlich fing sie an, wirklich alles zu putzen: Die Tische, den Schrank, die Regale. Einfach alles!
Sie verbannte mich kurzerhand aus dem Wohnzimmer für eine Weile, um den Boden zu wischen! Dann machte sie mit dem Bad und der Küche weiter. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wollten wir nicht einen Film schauen?

Als ihre Wohnung wie neu strahlte, kam sie zu mir, entschuldigte sich und meinte, sie habe einen absoluten Putzfimmel, wenn sie einmal dabei sei, müsste sie alles sauber machen. "Oh ist doch kein Problem...", sagte ich und dachte mir aber meinen Teil.
Sie schlug vor, dass wir etwas zusammen kochen und dann den Film schauen. Ich war einverstanden und dachte, dass es vielleicht einfach ein schlechter Start war, dass ich sie vielleicht in einem dummen Moment erwischt hatte. Dass sie vielleicht vorher hatte putzen wollen, aber es einfach nicht geschafft hatte... Oder irgendetwas ähnliches, was mein nach logiksuchendes Hirn und mein immer-ans-Gute-im-Menschen-glaubendes Herzchen sich ausmalten.

Das Essen kochen dauerte aber auch so endlos lange... Ich fühlte mich, als würden diese dummen Reiskörner niemals weich werden und ich müsste auf ewig bei ihr bleiben. Während des gesamten Kochens, genauso wie bei ihrer exzessiven Putzaktion, sprach sie wieder über nichts anderes als darüber wie sehr sie ihren Ex-Lover liebt und dass er nicht auf einen Smiley, den sie geschickt habe, geantwortet hat und was er für ein Wichser sei, weil er nur mit einem "yeah" nach ca. 3h geantwortet habe. Und dass er aber sooo toll sei und er sie hoffentlich wieder zurück nimmt.
Ein absoluter kompletter rosaroter Bullshit!!!
Ich versuchte ihr klarzumachen, dass wenn er wirklich an ihr Interesse hat, wird er sich schon nochmal von sich aus bei ihr melden. Falls nicht, sei das ihre Antwort. Aber sie wollte gar nichts rationales hören. Sie blubberte weiter über ihren wundertollen Traumprinzen und bemitleidete sich selbst, dass sie jetzt gerade so weit entfernt sei und nicht zu ihm könne. Ich musste fast kotzen.
Keine meiner realistischen Denkansätze funktionierte oder zeigte auch nur irgendein Zeichen von rationaler Hirnaktivität. Also ließ ich sie blubbern. Ich dachte irgendwann würde sie schon selbst das Thema wechseln, aber das war ein Irrtum: Sie kann endlos über ihn quatschen. Und wenn sie nicht über ihn quatscht, zeigt sie einem Fotos von ihm oder seine Facebookseite. Seine Statusnachrichten oder Auszüge aus ihren Chats mit ihm.


Das Essen war endlich fertig und wir setzten uns auf die Couch. Ich war so dankbar, ich dachte, mit dem Beginn des Filmes würde sie endlich schweigen. Aber sie hatte gar keinen Film im Sinn. Sie schaltete nur den Fernseher ein und wir sahen einfach so ein wenig fernsehen. Sie unterhielt sich weiter über ihren super-duper-Lover. Irgendwann surrte ihr Handy. Sie fragte mich, ob es mir was ausmachte, wenn sie kurz draufschaue. Kein Problem, mach nur. In dem Moment war es mir schon fast lieber als ihr Geschwätz. Aber es blieb nicht bei einer Nachricht und irgendwann saß sie nur noch am Handy und scrollte, während ich stumm auf den Fernseher schaute. Sie meinte, ich könne ruhig was erzählen, sie höre zu. Aber es war so offensichtlich, dass sie es nicht tat. Ich meine sie machte immer mal wieder Aha und Uhum, aber ich sah, wie sie auf Facebook fleißig weiterscrollte. Mitten im Satz unterbrach sie mich und zeigte mir irgendein Bild, das sie likete und dann schamlos weiterscrollte. Ich sagte, es sei schon spät und ich werde jetzt gehen. "Uhum...ok" Weiterhin Zombiestarren aufs Smartphone. Ich zog meine Schuhe an und wiederholte mich.
"Ich gehe jetzt."
Keine Reaktion. Sie besaß doch wirklich die Frechheit nicht einmal aufzustehen, um mich zu verabschieden. Ich war in dieser unangenehmen Position, bei der ich nicht wusste, ob ich einfach zur Tür rausgehen sollte. Ich hätte es tun sollen, aber ich war zu höflich und versuchte es noch einmal.
"Ich gehe dann jetzt." Ich wandte mich zur Tür, aber sie kam mir nach.
"Oh sorry, ich meine, voll schön, dass du da warst und ich habe hoffentlich nicht zu lange am Handy gehangen, tut mir echt leid. Das hat dir doch nichts ausgemacht, oder?"
Aber nicht doch.... Ich wollte einfach nur weg. Was ein verschwendeter Abend.



Was bin ich einfältig.


Kommentare:

  1. Was du aber noch dringend lernen musst, liebe Nessi, ist, dass man Herzangelegenheiten (auch wenn sie noch so verworren und bescheuert sind) niemals mit Gehirnarbeit lösen kann. Zuhören, sich ausheulen und wenn es zu viel wird über irgendwas von sich selber reden :D vielleicht hilft das ja.
    Liebe Grüße,
    deine Frau Dr. Sommer

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    1. haha Liebe Frau Sommer,
      Wenn Sie das Mädchen kennen würden, würden Sie mein Leid verstehen :D Dies ist nicht das erste Mal, dass sie mich zuquatscht (und btw ist die story auch immer die gleiche) und mir würde es auch nichts ausmachen, wenn sie nicht immer so tun würde, als wäre der Typ an allem Schuld. "Omg er hat nicht auf die millionenste E-Card geantwortet, die ich ihm geschickt habe!" "Ich habe ihn auf Facebook geblockt, weil er die E-Card nicht geliket hat." "WARUM MAG ER MICH NICHT? Ich meine ich habe ihn doch bloß schon drei oder vier mal auf Facebook geblockt!"
      ._____.
      Ich habe wirklich nicht versucht, Herzensangelegenheiten mit dem Gehirn zu lösen, ich hatte nur gehofft, dass diese Kindereien aufhören... Aber ehm ja... Ich lag falsch :D

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  2. Du meine Güte, du bist echt zu nett.
    Also ich kann schon verstehen, dass man vor Liebeskummer manchmal zu viel quatscht und sich jemanden zum Zuhören wünscht (u__u), aber dich dann einfach links liegen lassen und dann auch noch Handymensch spielen ist schon ziemlich daneben..

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    1. Fand ich auch. Ich hätte es glaube ich auch nicht als so schlimm empfunden, wenn das jammern über den Freund das einzige gewesen wäre. Aber es war einfach die Kombination von Unverschämtheiten, so absolute Planlosigkeit, obwohl was anderes ausgemacht war und dann das endlose Jammern über sich selbst.

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