Montag, 10. November 2014

A Question of Friendship

Liebe Musketiere,

Eigentlich ist wirklich nichts bis wenig passiert.Trotzdem wirft das Leben hier einige existenzielle Fragen auf.

Meine spanische Freundin Celia begrüßt mich jedes Mal super herzlich, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass es eine Erasmus-Spanier-Distanz gibt, die einfach nicht überwunden werden kann...
Und ich spreche nicht von der typischen Sprachbarriere. Ich denke manchmal, dass es nicht einfach ist, die Freundeskreise zu vereinen und dass es schwierig ist, eine tiefe freundschaftliche Bindung zu entwickeln, wenn man weiß, dass auf der Freundschaft ein "Verfallsdatum" steht.

Ich wäre gerne jemand, der wenn er sagt "Wir bleiben in Kontakt" es auch so meint. Aber neben all meinen guten Eigenschaften ist das wohl meine schlechteste: Ich liebe alle meine Freunde, aber es fällt mir schwer zu allen Kontakt zu halten, allen Freundschaften genug Tribut zu zollen und alle wissen zu lassen, wie gern ich sie eigentlich habe.
Viele sagen: Das geht jedem so, mach dir keine Gedanken! Aber das stimmt nicht. Alle anderen halten den Kontakt, sie skypen mit den Freunden im Ausland, sie vereinbaren Treffen und bringen alle ihre Freundeskreise in Einklang. Sie ergreifen die Initiative.
Aber ich nicht.
Ich weiß auch nicht wieso... Vielleicht ist es die Angst vor Zurückweisung, die mich warten lässt, bis sich jemand bei mir meldet. (Und glücklicherweise funktioniert das System!) Aber ich fühle mich deswegen mehr als schuldig, weil dieser Charakterzug für ein freundschaftliches Ungleichgewicht sorgt. 

Ich versuche wirklich etwas daran zu ändern. Aber ich habe oft das Gefühl, man braucht viel Zeit, Geld und Platz um solche Dinge zu organisieren...
Wie zum Beispiel der Pizza+Chilaquiles-Abend. Den habe ich initiiert, aber trotzdem habe ich das Gefühl, es bleibt eher der Einzelfall.. 


Ich versuche wirklich an mir zu arbeiten! So extroviert wie möglich zu sein, aber manchmal mag ich es auch einfach meine Ruhe zu haben, Serien zu schauen und niemandem Rechenschaft schuldig zu sein, warum ich wie lange auch immer alleine herumgammele. Und ich weiß wie egoistisch und antisozial das klingt... aber wie könnte ich sonst auf Dauer dieses quirlige kleine Hexchen sein, das sich sorglos durchs Leben tänzelt?


Ich sollte sowas ähnliches vielleicht für Celia und co. organisieren, aber ich weiß einfach nicht, wie ich sie ohne zu überrumpeln zu etwas einladen kann... Ich würde sie gerne allen meinen Erasmusfreunden vorstellen, aber sie scheinen ein wenig abgeneigt, wenn sie mit vielen Kulturen konfrontiert sind. Vielleicht weil sie fürchten, dass wir ihre Sprache nicht sprechen und es langweilig wird. Aber wir geben uns wirklich Mühe!
Ich weiß es einfach nicht. Vielleicht wisst ihr einen Rat.

1 Kommentar:

  1. Ich weiß was du meinst. Der Ausdruck "Verfallsdatum" trifft den Nagel auf den Kopf.. Vor allem kann man die Leute irgendwie echt nicht einschätzen. Dass ich (vorerst) nur für ein Semester hier bin, wissen die meisten. Vielen scheint es nichts auszumachen, einige sagen ooooh ich werde dich total vermissen (as if) und bei einigen wenigen glaube ich es sogar und es tut mir total leid.
    Zu Punkt zwei, Treffen initiieren... Kenn ich. Kann mir nunmal beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendjemand etwas mit mir unternehmen wollen würde. Wenn mich jemand einlädt, freue ich mich und sage sofort zu, aber ich tue mir schwer damit, selbst etwas anzuleiern. Und was Celia & Co. angeht, du könntest vielleicht versuchen, sie zu etwas einzuladen von wegen "ach ja, es kommen noch ein paar Leute"? Filmeabend, Pasta Party oder sowas.. Oder einfach selbst einen Tapasbarcrawl organisieren? Ist vielleicht etwas ungezwungener als alle auf einem Haufen sitzen zu haben.

    AntwortenLöschen