Donnerstag, 20. November 2014

Von Bärenhunger zu Bear Hugs

Liebe Musketiere,

Ich war heute etwas spät dran... Und ich meine wirklich spät dran! Sonst bin ich die typische Deutsche, die sich extra Zeit lässt und später losgeht und trotzdem als erstes am Treffpunkt ankommt, aber diesmal war ich so spät, dass sogar Daniel vor mir im Raum saß! Also das will wirklich was heißen!

Ich hatte einen langen Tag und nichts gefrühstückt, nach ein paar Stunden fühlte ich mich leer und energielos, aber mir winkte die Mittagspause (15-16Uhr) entgegen, also schleppte ich mich ein bisschen lustlos, aber hoffnungsvoll zum nächsten Kurs, in dem ich erfuhr, dass ich für den Kurs nach der Mittagspause eine Übersetzung abgeben musste. Erschrocken stellte ich fest, dass ich nicht mal wusste, um welchen Text es sich handelte und in meiner Panik, weil hier, wenn etwas verlangt wird, es direkt mit Note versehen wird, hetzte in der Mittagspause in die Bibliothek und fing an zu übersetzen. Ich schaffte es sogar den Scheißtext fertig zu übersetzen, aber meine Essenszeit war vorbei und der nächste Kurs begann..

Nach der Uni traf ich per Zufall auf Celia, Diego und Pedro. Wir verabredeten uns zum Feiern gehen. Ich war irgendwie besorgt, dass sie mich nur zum Feiern eingeladen hatten, weil ich sie sozusagen "abgefangen", also vorher angetroffen hatte, nicht weil sie es wirklich wollten...

Aber Mahé sagte mir, dass ich mir zu viele und schwachsinnige Gedanken mache und vermutlich hat sie recht. Ich hatte viel Spaß an diesem Abend. Ich weiß auch nicht warum, aber manchmal trübt meine Unsicherheit meine Freude. Aber Ausland macht dich auch einfach unsicher, weil du manchmal nicht weißt, ob du das Richtige im richtigen Moment sagst, ob du alles verstanden hast, ob du dich gut verhalten hast, ob es bestimmte Faux-pas gibt oder ob du sie bereits begangen hast, ohne dass es dir bewusst war...

Jedenfalls waren wir in einer Bar und haben typisch spanisch aus einem Glasgefäß namens Purrón getrunken. Es ist ein Gefäß, das aussieht wie etwas, was man aus dem Chemieunterricht geklaut hat und jetzt mutwillig zweckentfremdet oder wie eine etwas seltsam geformte Bong... Naja jedenfalls: Das, was drin ist in so einem Purrón ist definitiv weitaus verheerender: Die spanischen Getränke sind einfach tückisch: Es ist im Grunde immer ein Mix aus allem möglichen harten Alkohol aber getarnt unter dem Deckmantel süßen Sirups. Sie können dich also umhauen, aber gleichzeitig schmecken sie dabei so süß, dass du gar nicht merkst, wie stark sie in Wirklichkeit sind. 
Danach gings in die Chupitería und wir haben alle möglichen Shots probiert, aber der einzige, der wirklich interessant war, hieß "Celebrita". Der schmeckte wie ein kleines Waldfrucht-Dessert mit Sahne und ist für Naschkatzen wie mich genau das richtige. Vermutlich war der auch nur so süß, um zu übertünchen, wie krass er eigentlich war... 

Danach gingen wir tanzen und es war richtig lustig, vor allem weil wir einfach jeden Song aufs Korn nahmen. Was nicht so schwer in Spanien ist, denn im Grunde jeder Song handelt von "bailar"(tanzen) "beber" (trinken) "noche loca"(verrückte Nacht) und natürlich AMOR! Und als krönender Abschluss spielten sie Queen mit Don't stop me now!!

Irgendwie endeten wir eine gute Weile später genau an dem Platz, wo ich sie getroffen hatte, als sie mich eingeladen hatten. Die Nacht war kühl, lange nicht so kalt wie sie hätte sein können... In Deutschland wären wir vermutlich erfroren, aber in Spanien saßen wir an einem Brunnen und quatschten.

Nach einer Weile gesellten sich zwei fremde Spanier dazu und begannen mit uns zu reden. Ich hatte nichts dagegen, aber ich kannte sie nun mal nicht und wusste auch nicht groß mit ihnen zu reden, also redete ich nur das Nötigste und warte ich erst mal ab, was sie so zu erzählen hatten, bevor ich groß das Wort erhob. Sie boten mir ihren Drink an, ich lehnte höflich ab. Aber direkt formten sie sich ihr Urteil über mich. Ständig musste ich mir ihr Lachen anhören: "Oh so eine ernste Deutsche!" Am Anfang widersprach ich noch, aber sie brachten den "Witz" immer und immer wieder, dass ich irgendwann einfach nur noch mit den Achseln zuckte. Sie waren eh leicht betrunken und mit Betrunkenen lässt sich nicht so leicht vernünftig reden. Aber irgendwann glaubten sie, ich würde mir das zu Herzen nehmen und meinten mich trösten zu müssen und sagten ständig, "Sei doch nicht beleidigt" "Schau nicht so" "Wir meinen es nicht böse", aber ich war überhaupt nicht gekränkt und ich schaute nicht böse oder ernst, ich war müde und gähnte! Mir war das wirklich mega gleichgültig, weil man sich als Deutsche in Spanien eh millionen mal anhören muss, dass wir so ernst sind, dass wir keinen Humor haben, etc... Wir sind vielleicht ernster als die Spanier aber immerhin haben wir Jobs. (BURN!). Aber ernst an sich nicht.
Irgendwann wollten sie mich dann als Entschuldigung umarmen... Ich bin nicht sonderlich angetan davon, dass Fremde mich umarmen. Ich sagte, ich sei wirklich nicht beleidigt, das sei nicht nötig, aber da hatte mich einer der beiden schon in seine Bärenumarmung gezogen. Die meiner Meinung nach viel zu lange dauerte.


Wir unterhielten uns noch weiter über alles mögliche, aber nach einer Weile wurde es echt kalt und wir entschlossen uns heim zu gehen. Unerwarteterweise ging Celia mit einem der Typen mit nach Hause, obwohl der eine Kumpel beim anderen übernachten wollte, weil er Pendler war. Aber da Celia jetzt mit ihm ging, blieb dem Kumpel nichts anderes übrig als im Auto zu schlafen. ... Das war leicht unangenehm, weil wir den Typen ja nicht kannten, sonst hätten wir ja vielleicht gesagt, er könne bei uns die Nacht pennen... Aber so...

Also auf Spanier ist echt kein Verlass, da wird was ausgemacht, aber sobald die Chance auf ein Schäferstündchen besteht, sind alle Abmachungen ungültig...

Ich war ca. um 6Uhr früh zuhause.

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