Donnerstag, 12. Februar 2015

Exam Afterparty

Liebe Musketiere,
Ich weiß, ich hab mich lange hier nicht mehr gemeldet, aber ich hatte Klausuren und dementsprechend auch keine Lust zu schreiben.

Meine letzte Klausur war zwar schon am Mittwoch, aber Mahé hatte noch eine am Donnerstag. Da wir zusammen feiern gehen wollten, war das Ende also noch nicht ganz gekommen.
Und wenn man auf das Ende wartet, wird es natürlich ultimativ hinausgezögert: Mahé's Klausur sollte erst um 18:30 Uhr beginnen...
Ich verbrachte den Nachmittag also damit, einerseits ihr beim Lernen zu helfen, andererseits sie ein wenig abzulenken. Aber im Endeffekt saßen wir eigentlich nur zusammen und hatten ein wenig Gesellschaft (Klausurenzeit ist immer ein wenig einsam, weil alle viel zu tun haben, und man dann entweder sich von anderen isoliert oder die sich von einem - abgesehen vielleicht von Lerngruppen). Sie saß fleißig mit ihrem Lehrbuch auf dem Bett und ich daneben mit meinem Zeichenkram.

Nach ihrer Klausur kam sie wieder und wir gingen gemeinsam mit G und noch ein paar weiteren belgisch-französischen Freunden Tapas essen. (Ich hatte auch einige von meinen Leuten gefragt, aber die hatten alle keine Zeit/Lust, deswegen war ich sozusagen "The odd-one-out", also die deutsche Stecknadel in einem Haufen von französischsprachigen Menschen.  Aber eigentlich waren sie alle total nett zu mir. Aber man spricht halt doch nicht so schnell, wenn überhaupt, die Sprache wie alle anderen. Ich habe gelernt, mit höherem Alkoholgehalt kann ich im ersten Moment besser kommunizieren, weil man sich weniger Gedanken macht, ob das was man sagt, richtig ist und danach versteh ich im Grunde kaum mehr was, wenn es Französisch ist, aber es klingt definitiv sexier, je weiter der Abend vorschreitet. Also: Liebe Franzosen säuselt nach Anbruch der Nacht. Glaubt mir, das kommt gut an.

Wir haben wirklich die typische Partyrunde genommen: Tapas essen, um den Bauch zu füllen für den Alkohol, der darauf folgen wird, danach in die Chupiteria, für ein paar Shots, danach in den Pub Legend für ein wenig vortanzen sozusagen, noch ein paar Chupitos und Porrón und abschließend in den Club Vogue.
Feiern gehen mit G und Mahé ist einfach genial: Man dominiert einfach die gesamte Tanzfläche.

Ich liebe tanzen und im Grunde gehe ich nur deswegen feiern. Mahé und G sind daher ein tolles Team, um einen zu begleiten. Mahé ist eine tolle Tänzerin und ihrem exotischen Charme erliegen eh alle, G passt auf, wenn dir einer der etwas seltsameren oder unhöflichen Typen zu nah kommt und gleichzeitig checkt er sich ein paar der Typen ab. Er tanzt mit allen Mädels ein bisschen zu anzüglich und alle Typen drum herum fragen sich "Wie macht er das bloß?". G ist einfach ein Original! Und mitten drin bin ich und tanze, wirbele und drehe ich mich.





Im Klub waren wirklich alle Augen auf uns gerichtet. Ich weiß, das klingt total eingebildet, aber es war wirklich so! Es war einfach so krass. Ich meine die Spanier haben eh ein Faible ihre Beute anzustarren und das bereits von weitem und dann geben sie auch nicht so schnell auf. Aber dieses Mal war es einfach zu krass:


Einer der Typen starrte mich mindestens eine halbe Stunde lang von Weitem an und kam immer nur milimeterweise näher, aber lugte immer nur zwischen den Menschenmengen hervor, nie nicht mich direkt an, was seinen Blick in ein perverses Stalkerstarren verwandelte und mich überlegen ließ, ob er mich heiß findet oder ich in Einzelteilen in seiner Kühltruhe landen sollte.

In Deutschland, wenn jemand den Blick nicht erwidert, oder nach langem Angestarrt werden eher erschrocken als angetan wirkt, suchen sich die Typen meist lieber eine andere. Aber hier hält das niemanden auf.
Selbst wenn die Typen endlich ihren Weg zu uns gefunden haben und man höflich mit "No, gracias" verbal ablehnt, dann lassen viele nicht locker. Da kommt dann G in Aktion legt den Arm um dich, leckt dir demonstrativ den Hals oder trägt dich einfach mal ein paar Meter weiter.

Wenn er den Typen aber eigentlich ganz heiß findet - du wie gesagt aber nicht -  ist G ein bisschen sadistischer veranlagt. Dementsprechend lässt er entweder dich oder die Typen etwas länger zappeln, bevor er einschreitet.
Manchmal erzählt G den Typen : "Oh ja, die ist bloß schüchtern! Versuch weiter dein Glück!" und ermutigt den Typen dann weiter mit dir zu quatschen, obwohl du bereits in den ersten 5 Sekunden entschieden hast, dass das nichts wird. Aber im Endeffekt rettet G dich dann doch immer. Er spannt dich nur ein wenig länger auf die Folter, weil er den Typen meist selbst heiß findet und sich fragt, wie du dir so eine Sahneschnute entgehen lassen kannst.
Und den Typen straft er dafür ab, dass er nicht schwul ist, in dem G dann erst recht aufreizend mit dir tanzend, nur um dem Typen zu zeigen, was er nicht haben kann.


Ein Spanier kam auf mich zu und fragte, wo ich herkomme.
Ich: Alemania.
Er (schaut auf mein Haar): Irland?
Ich: Nein, Deutschland.
Im Klub ist es laut, ich dachte, er hätte es nicht verstanden.
Er (deutet nun unmissverständlich auf mein Haar): UK?
Ich: Ehm...nein. Deutschland (immer noch.)
Er (in etwas enttäuschtem Ton): Oh...achso...hm... Ich spreche kein Deutsch.
Ich: Kein Problem, ich spreche ja spanisch.
Unerwartet schmeißt er mir das einzige deutsche Wort an den Kopf, das er kennt: "VOLKSWAGEN!!"
Den Stolz in der Stimme.
Ich weiß nicht so recht, wie ich darauf reagieren soll.
Er erwartet scheinbar ein Lob...
Ich: Ehm...Jaaaa... genau.... Yay?
Er strahlt. Super, eine Dumpfbacke...

Ich  muss wohl kaum erwähnen, dass aus uns nix geworden ist. Aber er war nicht der erste während meines Granada-Aufenthalts mit dieser Masche und definitiv nicht der letzte, der damit da draußen herumläuft. Ich meine, dass es der Versuch ist, sich irgendwie einem ausländischen Mädchen anzunähern, kann ich ja verstehen, aber warum kann danach die Konversation nicht normal weiterlaufen, warum testen sie danach fast jedes ihrer Wörter aus? Oder warum sind sie immer so enttäuscht, wenn du nicht begeistert bist? Ich erwarte doch gar nicht, dass sie meine Sprache sprechen. Ich wäre schon zufrieden, wenn sie nicht allzu Deppen- oder Creeper-mäßig rüber kommen.

Jedenfalls war es ein genialer Abend/Nacht/Morgen. Wir waren tanzen bis morgens um 6Uhr früh und mir tun jetzt noch ein wenig die Beine weh, aber es hat sich einfach nur gelohnt.

P.S.: Ich hatte/habe keinen Kater, denn ich hab in Maßen getrunken ;)

Merci beaucoup, mes amis belges!




Kommentare:

  1. Hahahaha. Herrlich anschaulich geschrieben! Clubs sind wirklich eine Welt für sich, eine Welt, die ich meide wie die Pest, mit der du aber super klarzukommen scheinst. :D Irgendwie beneidenswert. Und was den Herrn Volkswagen angeht, ich habe einen Kumpel, dessen einziger deutscher Satz und ganzer Stolz "Ich habe einen Pudel" ist... "and I don't even HAVE a poodle" ;)

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    1. Clubs sind nur Spaß, wenn man das alles nicht so ernst nimmt,
      wenn man Klamotten trägt, in denen man sich wohl fühlt,
      wenn man nicht mit dem Ziel reingeht, sich einen abzuschleppen,
      wenn man mit Leuten da ist, die einfach immer lustig sind
      und wenn man gerne tanzen geht. Eigentlich kann nach diesem Rezept wirklich nicht mehr viel schief gehen.
      Aber andernfalls wirds auch schnell zur Tortur. Auch Alternative Menschen können CLubs genießen, wenn es die richtigen Clubs sind, aber ich bin da nicht so wählerisch. Bei mir zählen meist die Leute, mit denen ich da bin mehr. Wenn das der Satz wäre, fände ich das immerhin amüsant, aber wenn man mir deutsche Marken sinnlos an den Kopf wirft, ist das so seltsam... Als wüsste ich nicht, was unser Land exportiert...

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